Sonntag, 24. Oktober 2010

Pennylane VI

Erneut demoliert melde ich mich vom Wochenende in Manchester zurück. Ich sitze hier mit meinem englischen Teechen und lasse die drei Tage Revue passieren während draußen übermutige Fußballer Krach machen müssen. Bevor es zur Bilderflut kommt, erstmal eine kleine Vorgeschichte:
Am Freitag ging es abends nach der Arbeit nach Manchester. Ein bisschen verwirrt haben wir nach der Wohnung unseres Couchsurfers gesucht. Es war das erste Mal Couchsurfing und ich weiß nicht, ob ich es noch mal mache. Ein bisschen abartig die ganze Angelegenheit. Wir mussten mit dem Taxi weit raus aus der Stadt fahren und schliefen im männlichen Alkohol und Körperflüssigkeitsmief auf dem Boden. Der Abend war einfach nur rubbish. Wir waren in schlechten Clubs, weil wir beim  besoffenen Couchsurfer bleiben mussten. Wir hatten ja keine Schlüssel. So rannten wir die Nacht durch die Stadt von schlechter Bar zur nächsten und stopften uns mit Pizza und Chips und Cheese voll. Noch an diesem Abend meinte ich zu Anais: Ich schlafe die nächste Nacht lieber in einem Mc Donalds als noch mal in diesem Haus. Somit starteten wir nach 5 Stunden harten, unruhigen Schlaf sehr down in den nächsten Tag. Manchester hatte noch kein gutes Bild hinterlassen. Also schnappten wir unsere sieben Sachen, fuhren zum Bahnhof und schlossen dort unsere Taschen in einen Safe. Dann atmeten wir dreimal tief durch, löschten die letzte Nacht und wagten den Neuanfang.
Wir versuchten uns also vorzustellen, dass wir gerade erst angekommen sind und besorgten uns eifrig Stadtpläne für unsere große Tour. Jippie, die ersten Bilder im englischen Regen. Ich freue mich, dass ich euch endlich Bilder mit Freund Regenschirm zeigen kann. Wir haben viel gesehen. Als erstes waren wir im Craft & Design Centre, wo Leute ihre selbst gemachten Schmuckstücke verkaufen. Doch davor gab es erstmal eine kleine Stärkung. Überall waren kleine Räume und es roch nach Räucherstäbchen und Weihnachten. Ich bekam ein bisschen Heimweh. Alles war so gemütlich und süß. Es erinnerte mich an das Festival in unserer Heimatstadt. Ich wäre gern bei Mutti gewesen und hätte Plätzchen gebacken. Leider wurden wir wegen einen Feueralarmtest zwischendurch aus dem Gebäude gejagt und mussten im Regen stehen. Ich denke, ich werde dort ein paar Weihnachtsgeschenke abgreifen.
Danach ging es in die etwas magere Ausstellung des Chinese Art Centre. Hauptsächlich ging es um einen Film, welcher wirklich spannend doch gleichzeitig zu langatmig war. Also hüpften wir weiter zu der wunderschönen Cathedral of Manchester. Es tut mir echt Leid für die Bilder, aber in Manchester ist es nicht möglich ein romantisches Bild von alten Gebäuden zu machen, ohne einen Kran oder einen Glasskoloss dahinter einzufangen. Ich war noch nie in einer Stadt, die einen so stark ausgeprägten Mix aus Alt und Neu präsentiert. Danach ging es weiter in den Süden. Wir liefen riesige Straßen entlang mit tausenden Pubs und Bars, bis wir die Filmstudios und das Science and History Museum erreichten - sehr lustiges Museum. Wir lernten mit kleinen Kindern die Welt der Textilien kennen. Wir hatten viel Spaß und benahmen uns wie Sechsjährige, doch langsam klopfte die Müdigkeit an. Also gab es Alkohol aus Wasserflaschen zur Stärkung und eine kleine Vorstellung der Manchester Skaterkids.
Danach wurde sich ein kleiner Abstecher im Kino erlaubt: The Social Network. Yeah - 20.00 Uhr. Zeit in den Pub zu gehen. Wir waren das erste Mal in einem richtig englischen Pub. Traumhaft. Klein, süß und alles aus Holz. Dort lernten wir gleich ein paar Jungs kennen. Musiker versteht sich. Die Nacht konnte beginnen und sie endete auf sehr verrückte Art und Weise. Erst gab es ein paar Cider im Pub, dann ging es in einen kleinen Nebengassen- Indieschuppen. Jackpot! Endlich hatte ich das wieder gefunden, was ich von England gewohnt war. Da die Jungs und ihre Freundinnen echt nett waren und sie wussten, dass wir die Nacht irgendwie durchstehen müssen, bis der erste Zug kommt, hatten sie die „phänomenale“ Idee ein Hotel zu suchen, wo wir alle bleiben können. Um 3 Uhr ging es also mit dem Taxi durch ganz Manchester, doch alle Hotels waren voll. Nach zwei Stunden Suche fanden wir doch wirklich ein Hotel genau neben dem Bahnhof. Wir bekamen ein 6 Mann Zimmer. Als ich mit Anais total durchgefroren das Hotel betrat, waren wir geschockt. Das Hotel war nicht eine kleine Absteige, nein, wir waren in einem Zimmer für 300 Pfund untergebracht. Wir sagten den Jungs, dass wir lieber in einem Fast Food Restaurant pennen, da wir das nicht bezahlen können. Doch wir sollten gar nicht bezahlen. So verbrachten wir die Nacht zu Acht in einer riesigen Wohnung. Wir hatten zwei Bäder, eine riesige Küche, drei Schlafräume, Fernseher… Unglaublich. Anais und ich suchten jedoch nur das Bett und schliefen drei Stunden, während die anderen eine kleine Party mit reichlich Bier im „Zimmer“ starteten. Früh gab es noch kostenlos Frühstück. Die Leute im Frühstückssaal staunten nicht schlecht, als wir miefenden, zerzausten Kinder den Raum betraten. Tja, dann war es auch schon um 10. Zeit den Zug zu nehmen.
Zu Hause gab es dasselbe Spiel wie letzten Samstag: Duschen, Essen, Schlafen, Essen und nun Chill out. Das war wieder sehr viel Text. Ich würde gern so viel mehr schreiben, da man es sich einfach besser vorstellen kann. Unglaubliches Wochenende. Manchester hat seine zweite Chance gut genutzt. Manchester ist großartig. Ich hoffe ihr hattet auch ein tolles Wochenende. Ich hau mich mal vor den Fernseher. Gut, dass es hier nur sinnloses Fernsehen gibt. Das braucht mein Gehirn jetzt.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Pennylane V

Ich Genie habe es doch wirklich geschafft, die gelöschten Bilder von Anais wiederzufinden. Nennt mich Computernerd. Bevor ich den letzten Arbeitstag der Woche antrete und mich dann nach Manchester verkrümel, gibt es hier für euch nun noch ein paar Girliebilder aus Liverpool!
Dieses mal kaum Worte, aber viele Bilder. Das gleicht die letzten Posts aus.
Ich geh heute zum zweiten Videodreh eines Werbespots meiner Firma. Das ist ein riesen Spaß. Gestern haben wir schon einen Werbespot gedreht und ich liebe es, wie der Akteur die Straße langläuft und mit britischen Akzent den Slogan runterrasselt. Für mich dürfte er es hundert mal tun. Heute gehts ins Studio vor den grünen Screen. Ich darf pudern. Danach ist es hoffentlich schon um 5 und ich kann mich in den Zug nach Manchester setzen. Jippie! Habt ein tolles Wochenende.

Montag, 18. Oktober 2010

Pennylane IV

Wieder erholt melde ich mich vom Wochenende zurück und darf euch erst mal beichten, dass ich alle Bilder von Anais´ Kamera gelöscht habe. Keine Ahnung wie und warum, aber es ist so. Dementsprechend frustriert sind wir beide, da sie die meisten Bilder gemacht hat. Ich werde euch nun mit meinem kleinen Häufchen beglücken. Es ist so traurig. Ich kämpfe immer noch mit Recovery Programmen. Harte Schlacht kann ich euch sagen. Es ging also früh um 8 los nach Liverpool. Wie ihr sehen könnt, ging gerade mal die Sonne auf, als wir uns auf den Weg in die Stadt der Beatles machten. St Helens zeigt sich hier von seiner schönsten Seite.
Haha, den Ring hab ich mal fett in der Nacht verloren. Als erstes ging es zu Primark. Es gab 2 Kleider, 5 Strumpfhosen, 1 Paar Kniestrümpfe und eine Primarkjutetasche für 11 Pfund. Grandios nicht? Danach wurden die Sachen bei spanischen Freunden abgeladen, die sie uns doch glatt auf den letzten Drücker ihren Fußboden zum Schlafen anboten. Unsere Rettung. Danach ging es quer durch Liverpool. Keine große Stadt. Sie hat genau so ein kompaktes Zentrum wie München, wo du alles erlaufen kannst. Wunderschöne Stadt. Wirklich! Und ich habe die Beatles förmlich überall gespürt. Es ging direkt zum Albert Dock. Große Liebe.
Wir gingen also zum Albert Dock und genossen den Tag am Wasser. Wir besuchten das Beatles Museum und sahen uns eine Ausstellung zur Titanic an. Ich war sehr traurig nach dem Rundgang. Beide Ausstellungen waren super, aber bei den Beatles ging mir John Lennons Tod zu nahe und bei die Titanicgeschichte natürlich auch. Am Ende des Beatlesrundgang wurde Imagine gespielt. Man steht in einem weißem Raum mit dem Klavier und der Gitarre und dem Text an der Wand. Ich hatte Tränen in den Augen. So liessen wir uns also mit "Strawberry Fields forever" oder "From me to you" durch das süße Liverpool treiben. Ich liebte diesen Moment sehr. Wir hatten tolles Wetter und alles war ruhig am Hafen. Du hast nur das Wasser gehört und deinen Song im Ohr.
Danach gab es aber keine Zeit für Traurigkeit. Wir mussten uns schick machen.
Am Abend gab es deutschen Wein (das war der billigste - Liebfraumilch. Mein Arbeitskollege meinte heute, er habe dieses Gesöff mit 16 immer getrunken.) mit 3 Franzosen, 3 Deutschen, 1 Italienerin, 1 Portugiesen in der Wohnung von 2 Spaniern. Haha.Für englische Verhälnisse ging es zu spät los. Getanzt wurde bis in den Morgen. Geschlafen auf dem Boden. Dementsprechend ging es uns am Sonntag. Da wurde nur noch eine kleine Mahlzeit zu sich genommen und den ganzen Tag bis heute Morgen geschlafen. In jedem Club habe ich einen neuen Cider ausprobiert. Erdbeere, Apfel... Ich bin die neue Ciderqueen. Und das Ausgehen hier würde ich wirklich gern mit nach Deutschland nehmen. Alles ist so fröhlich, irgendwie echter. Und es macht Spaß sich, die Styles der Mädchen reinzuziehen. 2 Jungs sprachen mich am Abend an. Da hieß es von beiden (!?): "Ich habe mit meinen Freunden gewettet, dass du nicht aus England bist." Ich weiß nicht, ob das nett oder böse gemeint war. Haha. Am Ende dieses Abends war ich sogar nicht mehr fähig Deutsch zu sprechen. Ich wollte mit den Deutschen sprechen, aber es ging nicht. Nachdem ich ein deutsches Wort gefunden hatte fiel ich wieder ins Englische. Erst nach ein paar Stunden Schlaf hatte ich mein Deutsch wiedergefunden. Ein gutes Zeichen würde ich sagen.

Jedes Bild von Liverpool ist perfekt. Ich konnte mich echt nicht entscheiden.Gut die letzten verstörten Bilder eher nicht. Am liebsten hätte ich alle gepostet. Ich liebe Liverpool. Die besten Bilder sind aber leider gelöscht. Die hatte nämlich Anais. All die schönen Mädchenbilder im Primark. Wenn ich sie doch noch wieder bekomme, gibt es eine Flut Nachschub. Wir futtern nun Crumpets. Die sind mega lecker. Wir sind süchtig nach Crumpets.Danach wird es wohl wieder früh ins Bett gehen. England macht müde. Die dauernde Konzentration schlaucht immens.