Erneut demoliert melde ich mich vom Wochenende in Manchester zurück. Ich sitze hier mit meinem englischen Teechen und lasse die drei Tage Revue passieren während draußen übermutige Fußballer Krach machen müssen. Bevor es zur Bilderflut kommt, erstmal eine kleine Vorgeschichte:
Am Freitag ging es abends nach der Arbeit nach Manchester. Ein bisschen verwirrt haben wir nach der Wohnung unseres Couchsurfers gesucht. Es war das erste Mal Couchsurfing und ich weiß nicht, ob ich es noch mal mache. Ein bisschen abartig die ganze Angelegenheit. Wir mussten mit dem Taxi weit raus aus der Stadt fahren und schliefen im männlichen Alkohol und Körperflüssigkeitsmief auf dem Boden. Der Abend war einfach nur rubbish. Wir waren in schlechten Clubs, weil wir beim besoffenen Couchsurfer bleiben mussten. Wir hatten ja keine Schlüssel. So rannten wir die Nacht durch die Stadt von schlechter Bar zur nächsten und stopften uns mit Pizza und Chips und Cheese voll. Noch an diesem Abend meinte ich zu Anais: Ich schlafe die nächste Nacht lieber in einem Mc Donalds als noch mal in diesem Haus. Somit starteten wir nach 5 Stunden harten, unruhigen Schlaf sehr down in den nächsten Tag. Manchester hatte noch kein gutes Bild hinterlassen. Also schnappten wir unsere sieben Sachen, fuhren zum Bahnhof und schlossen dort unsere Taschen in einen Safe. Dann atmeten wir dreimal tief durch, löschten die letzte Nacht und wagten den Neuanfang.
Wir versuchten uns also vorzustellen, dass wir gerade erst angekommen sind und besorgten uns eifrig Stadtpläne für unsere große Tour. Jippie, die ersten Bilder im englischen Regen. Ich freue mich, dass ich euch endlich Bilder mit Freund Regenschirm zeigen kann. Wir haben viel gesehen. Als erstes waren wir im Craft & Design Centre, wo Leute ihre selbst gemachten Schmuckstücke verkaufen. Doch davor gab es erstmal eine kleine Stärkung. Überall waren kleine Räume und es roch nach Räucherstäbchen und Weihnachten. Ich bekam ein bisschen Heimweh. Alles war so gemütlich und süß. Es erinnerte mich an das Festival in unserer Heimatstadt. Ich wäre gern bei Mutti gewesen und hätte Plätzchen gebacken. Leider wurden wir wegen einen Feueralarmtest zwischendurch aus dem Gebäude gejagt und mussten im Regen stehen. Ich denke, ich werde dort ein paar Weihnachtsgeschenke abgreifen.
Danach ging es in die etwas magere Ausstellung des Chinese Art Centre. Hauptsächlich ging es um einen Film, welcher wirklich spannend doch gleichzeitig zu langatmig war. Also hüpften wir weiter zu der wunderschönen Cathedral of Manchester. Es tut mir echt Leid für die Bilder, aber in Manchester ist es nicht möglich ein romantisches Bild von alten Gebäuden zu machen, ohne einen Kran oder einen Glasskoloss dahinter einzufangen. Ich war noch nie in einer Stadt, die einen so stark ausgeprägten Mix aus Alt und Neu präsentiert. Danach ging es weiter in den Süden. Wir liefen riesige Straßen entlang mit tausenden Pubs und Bars, bis wir die Filmstudios und das Science and History Museum erreichten - sehr lustiges Museum. Wir lernten mit kleinen Kindern die Welt der Textilien kennen. Wir hatten viel Spaß und benahmen uns wie Sechsjährige, doch langsam klopfte die Müdigkeit an. Also gab es Alkohol aus Wasserflaschen zur Stärkung und eine kleine Vorstellung der Manchester Skaterkids.
Danach wurde sich ein kleiner Abstecher im Kino erlaubt: The Social Network. Yeah - 20.00 Uhr. Zeit in den Pub zu gehen. Wir waren das erste Mal in einem richtig englischen Pub. Traumhaft. Klein, süß und alles aus Holz. Dort lernten wir gleich ein paar Jungs kennen. Musiker versteht sich. Die Nacht konnte beginnen und sie endete auf sehr verrückte Art und Weise. Erst gab es ein paar Cider im Pub, dann ging es in einen kleinen Nebengassen- Indieschuppen. Jackpot! Endlich hatte ich das wieder gefunden, was ich von England gewohnt war. Da die Jungs und ihre Freundinnen echt nett waren und sie wussten, dass wir die Nacht irgendwie durchstehen müssen, bis der erste Zug kommt, hatten sie die „phänomenale“ Idee ein Hotel zu suchen, wo wir alle bleiben können. Um 3 Uhr ging es also mit dem Taxi durch ganz Manchester, doch alle Hotels waren voll. Nach zwei Stunden Suche fanden wir doch wirklich ein Hotel genau neben dem Bahnhof. Wir bekamen ein 6 Mann Zimmer. Als ich mit Anais total durchgefroren das Hotel betrat, waren wir geschockt. Das Hotel war nicht eine kleine Absteige, nein, wir waren in einem Zimmer für 300 Pfund untergebracht. Wir sagten den Jungs, dass wir lieber in einem Fast Food Restaurant pennen, da wir das nicht bezahlen können. Doch wir sollten gar nicht bezahlen. So verbrachten wir die Nacht zu Acht in einer riesigen Wohnung. Wir hatten zwei Bäder, eine riesige Küche, drei Schlafräume, Fernseher… Unglaublich. Anais und ich suchten jedoch nur das Bett und schliefen drei Stunden, während die anderen eine kleine Party mit reichlich Bier im „Zimmer“ starteten. Früh gab es noch kostenlos Frühstück. Die Leute im Frühstückssaal staunten nicht schlecht, als wir miefenden, zerzausten Kinder den Raum betraten. Tja, dann war es auch schon um 10. Zeit den Zug zu nehmen.
Zu Hause gab es dasselbe Spiel wie letzten Samstag: Duschen, Essen, Schlafen, Essen und nun Chill out. Das war wieder sehr viel Text. Ich würde gern so viel mehr schreiben, da man es sich einfach besser vorstellen kann. Unglaubliches Wochenende. Manchester hat seine zweite Chance gut genutzt. Manchester ist großartig. Ich hoffe ihr hattet auch ein tolles Wochenende. Ich hau mich mal vor den Fernseher. Gut, dass es hier nur sinnloses Fernsehen gibt. Das braucht mein Gehirn jetzt.
















